Richtig heizen und lüften: Wie Sie Schimmel dauerhaft verhindern – und was zu tun ist, wenn es trotzdem passiert
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Schimmel in Mietwohnungen ist einer der häufigsten Streitpunkte zwischen Vermieter und Mieter. Beide Seiten haben oft eine klare Meinung: Der Mieter sieht die Ursache in der schlechten Bausubstanz, der Vermieter im falschen Lüftungsverhalten. Die Wahrheit liegt – wie meistens – in der Mitte. Und oft ist die Ursache eine Kombination aus beiden Faktoren.
Dieser Artikel erklärt, wie Schimmel entsteht, was Bewohner dagegen tun können, und wann bauliche Maßnahmen unumgänglich sind.
Wie Schimmel entsteht – die physikalischen Grundlagen
Schimmel wächst überall dort, wo Feuchtigkeit auf eine ausreichend warme Oberfläche trifft und lange genug Feuchtigkeit vorhanden ist. Die Schlüsselgröße ist der Taupunkt – die Temperatur, bei der Luftfeuchtigkeit an einer Oberfläche kondensiert.
Ein Beispiel:
- Raumluft: 20°C, 60 % relative Luftfeuchtigkeit
- Taupunkt: ca. 12°C
- Wenn eine Wandoberfläche kälter als 12°C ist (z. B. an einer Außenwand ohne ausreichende Dämmung oder hinter einem Schrank), kondensiert Feuchtigkeit → Schimmel
Die drei Voraussetzungen für Schimmelwachstum:
- Feuchtigkeit (Kondensation oder Baufeuchte)
- Organisches Substrat (Tapete, Putz, Holz)
- Ausreichend Temperatur (über 0°C)
Wer eine der drei Voraussetzungen beseitigt, verhindert Schimmel.
Richtiges Lüften – die häufigsten Missverständnisse
Gekippte Fenster – das schlechteste Lüftungskonzept
Dauerhaft gekippte Fenster sind ineffizient und kontraproduktiv. Sie kühlen die Wand rund ums Fenster ab (Kondensat am Rahmen!) und tauschen nicht genug Luft aus, um die Feuchtigkeit wirksam abzuführen.
Stoßlüften – so geht es richtig:
- 3–4 Mal täglich 5–10 Minuten bei vollständig geöffnetem Fenster
- Am besten Querlüften (Fenster auf beiden Seiten)
- In Küche und Bad: nach jedem Kochen und Duschen sofort lüften
- Winter: kürzere Lüftungsintervalle (Außenluft ist oft trockener – je kälter, desto trockener)
Luftfeuchtigkeit im Blick behalten:
Empfohlen: 40–60 % relative Luftfeuchtigkeit. Einfache Hygrometer (< 10 €) helfen dabei, den Überblick zu behalten. Werte über 65 % dauerhaft bedeuten erhöhtes Schimmelrisiko.
Richtiges Heizen – warum Kälte sparen nach hinten losgeht
Ein weit verbreiteter Irrtum: „Wenn ich wenig heize, spare ich Energie." Das stimmt – aber nur, wenn gleichzeitig richtig gelüftet wird. Wer die Wohnung auskühlen lässt, riskiert, dass Wandoberflächen unter den Taupunkt fallen.
Mindesttemperaturen für Schimmelprävention:
- Wohnräume: mind. 18–20°C (auch wenn nicht bewohnt)
- Schlafzimmer: mind. 16–18°C
- Badezimmer: mind. 18°C (hohe Feuchtigkeitslast)
- Ecken und Außenwandnischen: besonders kälteempfindlich – Möbel mit ausreichend Abstand (mind. 5 cm) stellen
Heizkörper nicht abdecken und freihalten:
Heizkörper hinter langen Vorhängen oder Möbeln können die Wärme nicht gleichmäßig verteilen. Das führt zu kalten Ecken – und zu Schimmel genau dort.
Wann liegt die Ursache in der Bausubstanz – und nicht beim Mieter?
Schimmel entsteht nicht immer wegen falschen Lüftens. Manchmal ist die Bausubstanz die eigentliche Ursache. Als Vermieter müssen Sie wissen, wann das der Fall ist – denn dann sind Sie in der Pflicht.
Bauliche Schimmelursachen:
- Wärmebrücken: Schlecht gedämmte Bereiche (Balkonplatten, Fensterstürze, Außenwandecken) kühlen unter den Taupunkt ab – unabhängig vom Lüftungsverhalten
- Undichte Rohre oder undichtes Dach: Eingetragene Feuchtigkeit führt unweigerlich zu Schimmel
- Unzureichende Dämmung: Altbauten mit dünnen Außenwänden haben häufig zu kalte Wandoberflächen
- Baufeuchte bei Neubauten: Beton und Estrich trocknen langsam aus – in dieser Phase kann Schimmel entstehen
Rechtliche Konsequenz:
Wenn die Ursache im Bau liegt, ist Schimmel ein Mangel nach § 536 BGB – der Mieter darf mindern und hat Anspruch auf Beseitigung. Vermieter können sich nicht auf falsches Lüftungsverhalten berufen, wenn die Wandtemperaturen baulich bedingt unter dem Taupunkt liegen.
Feuchtequellen im Haushalt – was produziert wieviel Feuchtigkeit?
Manchmal ist der Feuchtigkeitseintrag schlicht zu hoch – auch bei gutem Lüften. Hier ein Überblick:
| Quelle | Feuchtigkeitseintrag pro Tag |
|---|---|
| 4 Personen (Atmung, Schweiß) | ca. 4–6 Liter |
| Kochen | ca. 1–2 Liter |
| Duschen | ca. 0,5–1 Liter |
| Wäsche trocknen (innen) | ca. 2–3 Liter |
| Zimmerpflanzen | je nach Anzahl |
Wer regelmäßig Wäsche in der Wohnung trocknet oder sehr viele Zimmerpflanzen hält, erhöht den Feuchteeintrag erheblich. Das macht sorgfältiges Lüften noch wichtiger.
Was tun, wenn Schimmel bereits da ist?
Kleine Flecken (bis ca. DIN A4) können mit Schimmelentfernern auf Alkohol- oder Chlorbasis behandelt werden – aber nur als Notlösung. Die Ursache muss immer behoben werden, sonst kommt der Schimmel zurück.
Bei größeren Befall oder wiederkehrendem Schimmel trotz Gegenmaßnahmen:
- Ursache ermitteln: Fachkundige Feuchtemessung und Taupunktanalyse
- Befallenes Material entfernen: Tapete, Putz, ggf. Estrich
- Schimmel fachgerecht abtöten: Biozide nach TRBA 500
- Wand trocknen: Professionelle Bautrocknungsgeräte
- Ursache beheben: Dämmung verbessern, Undichtigkeiten schließen
- Neuen Aufbau herstellen: Diffusionsoffene Materialien bevorzugen
Wichtig: Schimmel einfach überstreichen löst das Problem nicht. Der Befall wächst darunter weiter.
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