Schimmelsanierung fachgerecht durchführen: Die 5 Schritte, die wirklich helfen – und warum halbe Maßnahmen gefährlich sind
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Schimmel ist kein kosmetisches Problem. Er ist ein Gesundheitsrisiko, ein Indikator für bauliche Schwächen und – wenn er ausreichend lange ignoriert wird – eine erhebliche Wertminderung für jede Immobilie. Gleichzeitig ist Schimmelsanierung einer der am häufigsten falsch angegangenen Bereiche im Wohnungsbau: mit zu wenig Diagnose, zu schneller Behandlung und ohne Beseitigung der Ursache.
Dieser Artikel zeigt, wie eine fachgerechte Schimmelsanierung in 5 Schritten aussieht – und was passiert, wenn man es falsch macht.
Warum Schimmelentferner allein nicht reicht
Das häufigste Muster: Schimmel taucht auf, der Mieter oder Eigentümer kauft einen Schimmelentferner aus dem Baumarkt, streicht die Stellen ab – und nach wenigen Wochen ist der Schimmel wieder da. Manchmal schlimmer als vorher.
Der Grund: Der Schimmelentferner tötet den sichtbaren Befall an der Oberfläche ab. Aber er dringt nicht tief genug in den Untergrund (Putz, Mauerwerk, Holz) ein. Und solange die Ursache (Feuchtigkeit, Wärmebrücke, undichte Stelle) nicht behoben ist, kehrt der Schimmel unweigerlich zurück.
Fachgerechte Schimmelsanierung beginnt mit der Diagnose – nicht mit dem Produkt.
Schritt 1 – Ausmaß und Ursache systematisch ermitteln
Bevor irgendetwas an der Wand passiert: Feuchtemessung und Ursachenanalyse.
Was zu untersuchen ist:
- Feuchtigkeitsgehalt von Wand, Putz und Estrich (CM-Methode oder Widerstandsmethode)
- Wandtemperaturen mit Wärmebildkamera oder Kontaktthermometer
- Lage des Taupunkts bei typischen Raumkonditionen
- Prüfung auf undichte Stellen (Dach, Fensterfugen, Rohrleitungen)
- Bewertung der Außenwanddämmung (Wärmebrücken?)
Mögliche Ursachen:
| Ursache | Hinweis |
|---|---|
| Kondensat durch Lüftungsfehler | Schimmel an Außenwänden, hinter Möbeln |
| Wärmebrücke (baulich) | Schimmel in Ecken, um Fensterlaibungen |
| Undichtes Dach/Rohr | Schimmel an einer bestimmten Stelle, unabhängig vom Lüften |
| Aufsteigende Feuchtigkeit | Schimmel an Kellerwänden und Sockelbereich |
| Baufeuchte (Neubau) | Schimmel kurz nach Einzug |
Schritt 2 – Kontaminationsumfang feststellen
Schimmel wächst nicht nur dort, wo er sichtbar ist. Sporen verbreiten sich unsichtbar – hinter Tapeten, im Putz, in Holzbalken. Bevor abgerissen wird, muss der Umfang des Befalls bekannt sein.
Methoden:
- Probe hinter der Tapete abziehen (sichtbare Inspektion)
- Raumluftmessung (Sporenkonzentration)
- Materialprobe (Labor, bei großem oder unklarem Befall)
Klassifikation nach Befallsumfang (angelehnt an UBA-Leitfaden):
- Kategorie 1: Kleiner lokaler Befall (<0,5 m²) – Eigenmaßnahme möglich
- Kategorie 2: Mittlerer Befall (0,5–2 m²) – Fachbetrieb empfohlen
- Kategorie 3: Großer oder verdeckter Befall (>2 m²) oder Schimmel im Lüftungssystem – nur durch Fachbetrieb mit Schutzmaßnahmen
Schritt 3 – Fachgerechte Sanierung und Dekontamination
Die eigentliche Sanierung folgt dem Umfang des Befalls. Bei größeren Maßnahmen gelten besondere Schutzanforderungen für Handwerker (TRBA 500).
Typische Sanierungsschritte:
- Befallene Materialien vollständig entfernen: Tapeten, Putz, im schlimmsten Fall Estrich oder Dämmmaterial – alles was Myzel enthält, muss raus
- Raumabdichtung: Bei größerem Befall Abklebung der Öffnungen, Unterdruck-Entstaubung
- Biozide Behandlung: Nur geeignete Biozide nach aktueller Zulassung (Wirkstoffliste prüfen). Chlorprodukte nur in gut belüfteten Bereichen
- Trocknung: Restwasser aus der Wand entfernen (Konvektions- oder Adsorptionstrockner je nach Material)
- Prüfung der Sanierungsmaßnahme: Raumluftmessung nach Sanierung, Feuchtemessung
Schritt 4 – Ursache beheben (der kritischste Schritt)
Ohne Ursachenbehebung ist jede Sanierung temporär. Typische Maßnahmen:
Bei Lüftungsproblemen:
- Aufklärung der Bewohner (Stoßlüften, Möbelabstand)
- Einbau einer kontrollierten Wohnraumlüftung (KWL) – langfristige Lösung
- Dezentrale Lüftungsgeräte in besonders problematischen Räumen
Bei Wärmebrücken:
- Innendämmung kritischer Bereiche (Ecken, Außenwände)
- Außendämmung (WDVS) bei entsprechendem Sanierungsumfang
- Heizungserneuerung für gleichmäßigere Wärmeverteilung
Bei undichten Stellen:
- Dachsanierung, Fensteraustausch, Fugenabdichtung
- Rohrsanierung bei Leckagen
Bei aufsteigender Feuchtigkeit:
- Horizontale Sperrschicht (Mauersäge-Verfahren, Bohrlochverfahren)
- Drainage
Schritt 5 – Wiederaufbau mit feuchtigkeitsresistenten Materialien
Nach vollständiger Trocknung und Freimessung folgt der Wiederaufbau. Hier gelten besondere Anforderungen:
Empfohlene Materialien:
- Kalkputz statt Gipsputz in feuchtigkeitsgefährdeten Bereichen (pH-Wert von Kalk hemmt Schimmelwachstum)
- Klimaplatten oder Calciumsilikatplatten (stark saugfähig, neutralisieren Feuchtigkeit, erhöhen Wandtemperatur)
- Diffusionsoffene Farben (Silikatfarbe, Kalkfarbe – kein Vinyl oder Latex)
- Keine Tapeten in sanierten Bereichen – Tapeten halten Feuchtigkeit ein
Gesundheitsrisiken: Wann wird Schimmel gefährlich?
Schimmelsporen sind überall in der Umgebungsluft vorhanden – in normaler Konzentration kein Problem. Problematisch wird es, wenn die Konzentration dauerhaft erhöht ist oder bestimmte toxinbildende Arten auftreten.
Mögliche Gesundheitsfolgen bei dauerhafter Exposition:
- Allergische Reaktionen (Rhinitis, Asthma-Verschlechterung)
- Reizungen der Atemwege
- Kopfschmerzen und Erschöpfung
- Bei Immungeschwächten: schwerwiegendere Infektionen
Besonders gefährdete Gruppen: Kleinkinder, ältere Menschen, Asthmatiker, Immungeschwächte.
Als Vermieter haben Sie eine Verkehrssicherungspflicht. Schimmelbefall ist ein Wohnungsmangel – bei Kenntnis und Untätigkeit riskieren Sie Mietminderungsansprüche und Schadensersatzforderungen.
Unsere Leistungen bei Schimmelsanierungen:
Ursachenanalyse und Feuchtemessung · Fachgerechte Schimmelsanierung (TRBA 500) · Bautrocknungsservice · Wiederaufbau mit diffusionsoffenen Materialien · Dokumentation für Versicherung und Vermieter
Unser Einzugsgebiet:
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